HCV-Therapie

Es gibt Möglichkeiten die akute (Infektionsdauer < 6 Monate) und die chronische (Viruspersistenz > 6 Monate) Hepatitis C Infektion zu therapieren.

Akute Hepatitis C –Infektion:

nicht jede akute Hepatitis C Infektion geht in ein chronisches Stadium über. Insbesondere die symptomatische, also mit Beschwerden einhergehende Infektion kann auch spontan ausheilen (Gerlach et al. Gastroenterology 2003;125:80-8). Insofern sollte die Entscheidung für eine medikamentöse Behandlung der akuten Hepatitis C zusammen mit einem/r erfahrenen Behandler/-in getroffen werden. Klinische Studien konnten zeigen, dass eine Monotherapie mit alpha-Interferon bei akuter Hepatitis C in über 90% der Fälle erfolgreich sein kann (Wiegand et al., Hepatology 2004). Behandlungen sollten nach Möglichkeit in klinischen Studien stattfinden, um weitere Informationen zum optimalen Zeitpunkt und die optimale Medikation zu erhalten.

Festzuhalten ist, dass die verfügbaren alpha-Interferone nicht zur Therapie der akuten Hepatitis C zugelassen sind.

Chronische Hepatitis C –Infektion:

nach Möglichkeit wird die chronische Hepatitis C mit einer Kombination aus einem pegylierten („Verzögerungs-„) alpha-Interferon und Ribavirin behandelt. Nach aktuellen Therapieleitlinien hängt die Therapiedauer im Wesentlichen von dem Abfall der Virusmenge im Blut (als Marker dient eine Blutuntersuchung namens HCV-PCR) im zeitlichen Verlauf nach Behandlungsbeginn ab.

Die Therapiedauer mit pegyliertem Interferon und Ribavirin kann so zwischen 16 und 48 Wochen für HCV-Genotyp 2 oder 3 Infizierte und 24 bis 72 Wochen für Genotyp 1 oder 4 Infizierte variieren und sollte zusammen mit einem/er erfahrenen Behandler/-in festgelegt werden. Kommt neben der beschrieben 2fach-Kombinationstherapie für HCV-Genotyp 1 Infizierte ein sogenannter Proteasehemmer (Wirkstoffe Telaprevir oder Boceprevir) zum Einsatz, ist eine Behandlungszeit zwischen 24 bis 48 Wochen vorgesehen.

Generell gibt es Faktoren wie eine HCV-Genotyp 2 oder 3 Infektion, eine niedrige Virämie vor Behandlungsbeginn und das Fehlen einer fortgeschrittenen Lebererkrankung, die eher günstig für den Behandlungserfolg sind.

Andere Faktoren, wie der Genotyp 1 oder eine bestehende Leberzirrhose erschweren eine Therapie. Insgesamt sprechen mehr als die Hälfte der Patienten (Manns M, et al. Lancet 2001; 358: 958; Fried M, et al. N Engl J Med 2002; 347: 975) dauerhaft auf eine Therapie mit einem pegylierten Interferon und Ribavirin an ("Heilung").

Einen hohen Vorhersagewert für ein Therapieansprechen, insbesondere für Hepatitis C Genotyp 1 Infizierte, hat auch ein genetischer Marker, der Interleukin-28B (IL28B-) Polymorphismus. Dieser Genabschnitt auf dem Chromosom 19, kodiert den Bauplan für ein körpereigenes Interferon (Interferon lambda 3).

Aus dem Blut vorab bestimmbar, bedeutet beispielsweise ein C/C-Polymorphismus (an der Stelle rs1297860) eine besonders hohe Heilungschance (Thompson et al., Gastroenterology, 2010; 139: 120-129). Allerdings hat dieser Polymorphismus einen geringeren Vorhersagewert bei Genotyp 2 oder 3 Infizierten, oder wenn bei Genotyp 1 Infizierten ein Proteasehemmer eingesetzt wird.

Generell gilt, dass eine sorgfältige Diagnostik vor Behandlungsbeginn, eine ausführliche Beratung über die Notwendigkeit, die Risiken und zu erwartenden Nebenwirkungen unabdingbar ist. Regelmässige Kontrollen sollten sowohl während der antiviralen Therapie, als auch als Bestätigung des Therapieerfolges im Anschluss erfolgen. Komplexer ist die Therapie Hepatitis B-, D- oder HIV-Koinfizierter Patienten.

Für chronisch Hepatitis C/HIV-Koinfizierte gibt es eigene Therapierichtlinien (www.europeanaidsclinicalsociety.org, Europäische Therapieleitlinien).